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Schreibwettbewerb 2026

Am Donnerstag, den 24. September, wurden drei Schüler:innen unserer Schule – Lena Herkommer (912), Maelle Groeschel (112) und Aaron Akuete (12) – als Preisträger:innen des Schreibwettbewerbs des Berliner Senats für SESB-Schüler:innen ausgezeichnet. Im Rahmen des Wettbewerbs waren die Schüler:innen dazu eingeladen, einen Text in ihrer Partnersprache zu verfassen.

Zum Thema „Wurzeln“ entstanden zahlreiche kreative und bewegende Beiträge. Einige der Preisträger:innen hatten außerdem die Gelegenheit, ihre Texte bei der feierlichen Preisverleihung vor einem Publikum aus der Staatssekretärin, Lehrkräften und Familienangehörigen vorzulesen.

Im Folgenden möchten wir den ebenso treffenden wie bewegenden Text von Aaron Akuete vorstellen. Er hat darin nicht nur das Wettbewerbsthema „Wurzeln“ auf beeindruckende Weise aufgegriffen, sondern auch einen sehr persönlichen Text geschaffen, der zugleich uns alle betrifft – heute vielleicht mehr denn je:

Wurzeln sieht man nicht – oder vielleicht doch?

        Wurzeln sieht man nicht. Sie arbeiten im Verborgenen, graben sich tief in die Erde, halten fest, was wachsen will. Doch ohne sie würde kein Baum stehen bleiben. Ohne Wurzeln kein Stamm, keine Äste, keine Blätter, kein Himmel, der berührt werden kann. Wenn ich also über meine „Roots“ spreche, spreche ich über das, was man nicht sofort sieht aber über das, was mich trägt.

        Ich kann in diesem Text nur von mir selbst sprechen. Von meiner eigenen Geschichte. Von meinem eigenen Gefühl. Und ich bin stolz darauf zu sein, wer ich bin. Nicht, weil meine Kultur besser ist als eine andere. Nicht, weil mein Weg schwerer ist als der von anderen. Sondern weil es mein Weg ist. Meine Geschichte. Meine Menschen. Wir leben in einer Welt, in der man nicht leugnen kann, dass sie voll von diskriminierenden Strukturen ist. Dass Hautfarbe manchmal mehr gesehen wird als Charakter. Dass Blicke, Worte oder stille Vorurteile verletzen können. Es immer wieder Situationen gibt, in denen man merkt: Man muss doppelt so viel leisten, um halb so selbstverständlich anerkannt zu werden. Man kämpft gegen Bilder im Kopf anderer Menschen, gegen Klischees, die man nie selbst erschaffen hat.

        Aber genau hier beginnt mein Stolz. Stolz heißt nicht, die Realität zu ignorieren. Stolz heißt, sich von ihr nicht definieren zu lassen. Stolz heißt zu sagen: „Ihr seht vielleicht nur meine Hautfarbe, aber ich sehe meine Geschichte.“ Meine Kultur trägt Musik in sich, Rhythmus, Widerstand,

Gemeinschaft. Sie trägt Geschichten von Menschen, die trotz Unterdrückung nicht aufgehört haben zu träumen. Menschen wie Nelson Mandela, der sagte: „I am not what happened to me. I am what I choose to become.“ („lch bin nicht das, was mir widerfahren ist. Sondern der der ich sein will.“) Dieser Satz ist für mich mehr als ein Zitat. Er ist eine Haltung. Eine Ent-scheidung.

        Auch Martin Luther King Jr. sprach die kraftvollen Worte „l have a dream“ von einer Zukunft, in der Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden. Diese Worte sind weltbekannt. Aber sie sind nicht nur Geschichte. Sie sollen eine ständige Erinnerung sein, dass Würde niemals verhandelbar sein darf. Und doch soll dieser Text nicht nur von großen Namen und Zitaten handeln. Er soll von uns handeln. Von mir. Von jedem Einzelnen, der morgens in den Spiegel schaut und entscheidet, sich selbst anzunehmen.

        Denn Herkunft ist etwas Universelles und doch gleichzeitig etwas individuelles.Jede Kultur ist eigen. Jede Familie trägt ihre eigenen Kämpfe, ihre eigenen Traditionen, ihre eigenen Rezepte, Lieder, Feste und Werte. Ob jemand aus Europa, Asien, Afrika oder Amerika stammt, jede Geschichte verdient ihren Respekt. In meinem Fall bedeutet es, stolz auf meine Hautfarbe zu sein. Auf das, was sie symbolisiert. Auf die Stärke, die über Generationen weitergegeben wurde. Auf die Schönheit, die lange Zeit nicht als solche anerkannt wurde. „Black is beautiful“ war nicht nur ein Slogan, es war eine Rückeroberung von Würde.

        Aber mein Stolz schließt niemanden aus. Er lädt ein, dass auch du deine Wurzeln findest. Und ihren Wert erkennen kannst. Denn wenn wir unsere Herkunft ablehnen, verlieren wir Halt. Wenn wir sie annehmen, wachsen wir. Vielleicht ist genau das das Wichtigste: Wir dürfen uns nicht dafür schämen, woher wir kommen, selbst wenn andere versuchen, uns klein zu machen. Ich weiß, dass ich nicht nur meine Gegenwart repräsentiere, sondern auch meine Vergangenheit. Und ich weiß, dass ich mit meiner Haltung die Zukunft mitschreiben kann. Meine Hautfarbe ist nicht nur ein Merkmal. Sie ist Teil einer Geschichte. Und ich trage sie nicht als Last, sondern als Krone.

        Veränderung beginnt genau hier, bei uns. In der Entscheidung, den eigenen Wert zu erkennen und den Wert anderer anzuerkennen. In der Entscheidung, nicht wegzusehen, wenn Menschen diskriminiert werden. Und in der Entscheidung, die eigenen Wurzeln nicht zu verstecken, sondern sie sichtbar zu leben. Nun liegt es an uns: Nicht die Fehler zu wiederholen, sondern die Zukunft besser zu gestalten!