{"id":6706,"date":"2025-05-23T10:34:39","date_gmt":"2025-05-23T10:34:39","guid":{"rendered":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6706"},"modified":"2025-05-23T11:12:49","modified_gmt":"2025-05-23T11:12:49","slug":"portraet-dora-philippson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6706","title":{"rendered":"Portr\u00e4t Dora Philippson"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Portr\u00e4t Dora Philippson<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dora Philippson ist eine von mindestens acht verfolgten Lehrkr\u00e4ften der heutigen Sophie-Scholl-Schule. Ihr Lebensweg f\u00fchrte sie von Bonn \u00fcber Sch\u00f6neberg in das Ghetto Theresienstadt und wieder zur\u00fcck nach Bonn.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.geschichte.sophie-scholl-schule.eu\/images\/GEW\/csm_100jahrfeier-1932-Lehrerkollegium_967c532faa.jpg\" alt=\"csm 100jahrfeier 1932 Lehrerkollegium 967c532faa\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>16.03.2020 &#8211; von Bodo F\u00f6rster<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dora Philippson wurde am 17. November 1896 in Bonn geboren. Ihr Vater, Alfred Philippson, war Professor f\u00fcr Geographie und ein angesehener Experte f\u00fcr Griechen-land. Dora studierte Mathematik und Natur-wissenschaften und machte im November 1920 ihr Staatsexamen. Sie beendete ihr Referendariat in Berlin und begann als Studienassessorin an der Fontane-Schule in Berlin-Sch\u00f6neberg zu unterrichten. Ab April 1928 war sie Studienr\u00e4tin mit den F\u00e4chern Mathematik, Physik und Chemie an der Deutschen Oberschule in Berlin&#8211;Mariendorf und ab Februar 1933 unterrichtete sie an der Staatlichen Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Schule) in der El\u00dfholzstra\u00dfe in Berlin-Sch\u00f6neberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch im selben Jahr machte der Schulleiter in einem Bericht in nationalsozialistischer Terminologie die Angabe, dass drei Studienassessor*innen aufgrund des \u00bbArier-paragraphen\u00ab (Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums) die Schule verlassen mussten. Darunter auch Dora Philippson, die daraufhin nach Bonn zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. Juni 1942 wurde die Familie Philippson in G\u00fcterwaggons von K\u00f6ln in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Anfangs war sie in der sogenannten \u00bbHannover-Kaserne\u00ab unter katastrophalen Bedingungen untergebracht. \u00dcber die ersten Tage in Theresienstadt berichtete die Tochter: \u00bbDie 1. Nacht in dieser Umgebung war unsagbar. Man bekam zwar noch etwas Wassersuppe abends und es geisterten die ganze Nacht \u00fcber Helfer und Helferinnen mit ihren Kerzchen herum, aber zu helfen war wenig. Vater kriegte einen Sch\u00fcttelfrost und hohes Fieber \u2026 Am Morgen fand die Gep\u00e4ckrevision statt durch die tschechische Gendarmerie, \u2026 zuerst wurde verlesen, wie man sich bei Eintritt der SS zu benehmen h\u00e4tte \u2026 Mit dem jun-gen (Herrn) Honig haben wir auch gute Freundschaft gehalten, bis er mit Frau und 4-j\u00e4hrigem B\u00fcbchen durch die Gas\u00f6fen von Auschwitz wandern musste. Nach ein paar Tagen spielte sich das Leben ein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Oktober 1942 wohnte die Familie Philippson in einem eigenen kleinen Raum. Diese \u00bbErleichterungen\u00ab waren dem schwedischen Asienreisenden Sven Hedin zu verdanken, der mit dem Vater Alfred Philippson in Berlin Geographie studiert hatte. Hedin sympathisierte mit den Nationalsozialisten und war mit einigen Ministern befreundet. Er soll in einem Brief an Hitler seine Stellung zu Deutschland von Alfred Philippsons Schicksal ab-h\u00e4ngig gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. Mai 1945 befreite schlie\u00dflich die Rote Armee das Lager Theresienstadt und am 10. Juli 1945 war die Familie wieder in Bonn. Pers\u00f6nliche Unterlagen waren von der nationalsozialistischen Verwaltung vernichtet worden, sodass vorl\u00e4ufige Dokumente beantragt und ausgestellt werden mussten. Ein Merkblatt schickte Dora Philippson mit folgendem Vermerk an die Beh\u00f6rde zur\u00fcck: \u00bbDa trotz meines Judentums und\u2026meiner Anerkennung als rassistisch Verfolgte von Ihnen ein politischer Fragebogen und Entnazisierung gefordert worden ist, f\u00fcge ich beides \u2026 bei. Ich m\u00f6chte aber mit allem Nachdruck gegen die Anforderung und Form dieser \u203aEntnazisierung\u2039 durch deutsche Dienststellen protestieren; eine solche \u203aEntlastung\u2039 ist ein bitterer Hohn auf die Verfolgungen und Leiden, die im Namen des deutschen Volkes \u00fcber mich wie alle meine Glaubensbr\u00fcder und -schwestern verf\u00fcgt worden sind.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Von November 1945 bis Februar 1946 musste Dora Philippson wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes im Krankenhaus behandelt werden. Danach wurde sie wieder Studienr\u00e4tin am Clara-Schumann-Gymnasium, konnte aber wegen ihrer gesch\u00e4digten Gesundheit nicht mehr unterrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dora Philippson engagierte sich beim Wiederaufbau der j\u00fcdischen Gemeinde in Bonn und geh\u00f6rte dem Vorstand der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit an.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie starb am 18. August 1980 im Alter von 84 Jahren und wurde auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Bonn beerdigt. Auf ihrem Grabstein liegt als Gru\u00df ein Stein vom Gel\u00e4nde der Sophie-Scholl-Schule, ihrer ehemaligen Schule, in der ihr Schicksal nicht vergessen ist. Es ist beabsichtigt, f\u00fcr unsere Kolleg*innen, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, Gedenksteine vor der Schule zu verlegen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.gew-berlin.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=94933&amp;token=7173b987d20e2522e59f358350004f726e4a8152&amp;sdownload=&amp;n=bbz-03-2020.pdf\"><strong>&nbsp;Gew Zeitschrift <\/strong>bbz 3\/2020<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Portr\u00e4t Dora Philippson Dora Philippson ist eine von mindestens acht verfolgten Lehrkr\u00e4ften der heutigen Sophie-Scholl-Schule. Ihr Lebensweg f\u00fchrte sie von Bonn \u00fcber Sch\u00f6neberg in das Ghetto Theresienstadt und wieder zur\u00fcck nach Bonn. 16.03.2020 &#8211; von Bodo F\u00f6rster Dora Philippson wurde am 17. 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