{"id":6703,"date":"2025-05-23T10:31:11","date_gmt":"2025-05-23T10:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6703"},"modified":"2025-07-01T08:09:09","modified_gmt":"2025-07-01T08:09:09","slug":"der-lebensweg-des-kurt-aron","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6703","title":{"rendered":"Der Lebensweg des Kurt Aron"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Lebensweg des Kurt Aron<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mindestens acht Kolleg*innen der heutigen Sophie-Scholl-Schule wurden im Nationalsozialismus verfolgt. Einer von ihnen war Kurt Aron.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>05.12.2019 &#8211; Bodo F\u00f6rster<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kurt Aron wurde am 3. April 1894 in Berlin geboren. Er machte 1912 das Abitur am Askanischen Gymnasium und studierte anschlie\u00dfend in Freiburg, Berlin und M\u00fcnchen Griechisch, Latein und Geschichte f\u00fcr das Lehramt. Im Jahr 1918 bestand er in Berlin die Staatspr\u00fcfung und wurde nach zwei Jahren als Referendar Studienassessor. 1920 legte er in Erlangen seine Dissertation mit dem Titel \u00bbBeitr\u00e4ge zu den Persern des Timotheos\u00ab vor und gr\u00fcndete im selben Jahr einen Jugendverein f\u00fcr Gartenbau und Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst arbeitete Aron als Erzieher in einem Kinderheim der J\u00fcdischen Gemeinde und trat dann 1932 in das Kollegium der Staatlichen Augusta-Schule in Berlin&#8211;Sch\u00f6neberg ein. Diese wurde von der engagierten Schulleiterin Dr. Mayer&#8211;Kulenkampff geleitet, die 1934 den Eid auf Hitler verweigern sollte <em>(siehe bbz 03\/18)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Aron war mit Irmgard, geborene Lachenauer, verheiratet, mit der zusammen er zwei T\u00f6chter hatte. Irmgard Aron war christlichen Glaubens, sodass ihr Mann in einer sogenannten \u00bbprivilegierten Misch-ehe\u00ab leben konnte. Dennoch wurde Aron mit Ablauf des Schuljahres 1933 aus dem Schuldienst entlassen. Die rechtliche Grundlage daf\u00fcr war der \u00bbArierparagraph\u00ab des kurz zuvor verabschiedeten \u00bbGesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u00ab, das es den Nationalsozialisten m\u00f6glich machte, alle J\u00fcdinnen und Juden aus dem \u00f6ffentlichen Dienst zu entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seiner Entlassung arbeitete Aron zun\u00e4chst an verschiedenen j\u00fcdischen Schulen, versuchte ab 1938 aber auszuwandern. Dies gelang nicht, da kein Staat bereit war ihn aufzunehmen. Also versuchte er so lange wie m\u00f6glich als Lehrer zu arbeiten, und absolvierte noch einen Kurs zur Ausbildung als Werklehrer, der von der J\u00fcdischen Gemeinde organisiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. August 1942 wurde Arons Mutter Anna Tobia vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Als Aron seiner Mutter noch etwas Proviant f\u00fcr die \u00bbReise\u00ab mitgeben und von ihr Abschied nehmen wollte, wurde er von einem Gestapo-Mitarbeiter daran gehindert und zum n\u00e4chsten Morgen in das Judenreferat der Gestapo in der Burgstra\u00dfe 28 bestellt. Von dort aus wurde die Deportation von rund 55.000 Berliner J\u00fcdinnen und Juden in den Tod organisiert, und hier befand sich auch ein sogenanntes Schutzgef\u00e4ngnis, in dessen Kellern H\u00e4ftlinge gefoltert und ermordet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 14. August meldete sich Aron wie befohlen bei der Gestapo in der Burgstra\u00dfe und wurde sofort verhaftet. Als Haftgrund wurde angegeben: \u00bbVersto\u00df gegen Vorschriften\u00ab. Er sollte nie mehr zu seiner Familie zur\u00fcckkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Zeitzeugin Gertrud Kollinsky am 1951 in ihrem Ged\u00e4chtnis-Protokoll \u00fcber diesen Ort berichtete, wird den Erfahrungen Arons \u00e4hneln: \u00bbIn Berlin musste sich mein Mann alle 14 Tage bei der Gestapo stellen. Im November 1939 wurde er in das Gestapo-Geb\u00e4ude [\u2026] zur Arbeitsleistung herangezogen, was die Grundlage f\u00fcr seinen fr\u00fchen Tod bedeutete. Die Arbeitsr\u00e4ume lagen 1 \u00bd Stock tiefer unter der Erde ohne Tageslicht, wo Ausl\u00e4nder*innen und Juden\/J\u00fcdinnen Arbeit verrichten mussten. Die Bezahlung bestand nur aus Verpflegung. Diese \u00bbVerpflegung\u00ab f\u00fchrte (\u2026) und starb (\u2026).\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nach vier Monaten Haft wurde Aron am 19. November 1942 in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht und am 27. November 1942 weiter nach Auschwitz deportiert. Dort erhielt er die H\u00e4ftlingsnummer 78586 und wurde am 3. Dezember 1942 im H\u00e4ftlingskrankenbau Block 28 des Stammlagers Auschwitz I ermordet. An diesem Tag wurden insgesamt 64 kranke H\u00e4ftlinge durch Phenolinjektionen get\u00f6tet. Die auf den Totenbescheinigungen genannten \u00bbHerzl\u00e4hmungen\u00ab waren fingiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Arons Frau und seine Kinder \u00fcberlebten den Krieg. Irmgard Aron wohnte bis zu ihrem Lebensende im Jahre 1992 in Berlin-Steglitz. Die beiden T\u00f6chter wanderten nach Schweden aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Gew Zeitschrift bbz 12 \/ 2019<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lebensweg des Kurt Aron Mindestens acht Kolleg*innen der heutigen Sophie-Scholl-Schule wurden im Nationalsozialismus verfolgt. Einer von ihnen war Kurt Aron. 05.12.2019 &#8211; Bodo F\u00f6rster Kurt Aron wurde am 3. April 1894 in Berlin geboren. 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