{"id":6699,"date":"2025-05-23T10:23:49","date_gmt":"2025-05-23T10:23:49","guid":{"rendered":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6699"},"modified":"2025-05-23T11:09:34","modified_gmt":"2025-05-23T11:09:34","slug":"erinnerungen-an-juedische-kolleginnen-und-kollegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sophie-scholl-schule.eu\/?p=6699","title":{"rendered":"Henriette Salomon"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Erinnerung an j\u00fcdische Kolleginnen und Kollegen<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Den Opfern ein Gesicht geben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>28.07.2020 &#8211; von Bodo F\u00f6rster<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist an der Zeit, an die zwei verfolgten Kolleg*innen Henriette Salomon und Max Wohlfahrt zu erinnern, ihnen anhand der sp\u00e4rlichen Informationen ein Gesicht zu geben und zu gedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Wissenschaftlerin machte mich auf den Jahresbericht 1933 des Direktors der Staatlichen Augusta-Schule und damit auch auf die Kolleg*innen aufmerksam. Meine Recherche begann. Recht schnell kam mir dabei das Antikriegslied von Pete Seeger in den Sinn, das er als Vertreter der amerikanischen Friedensbewegung im Jahr 1955 geschrieben hat: \u00bbWhere have all the flowers gone\u2026?\u00ab Den deutschen Text sang Marlene Dietrich: \u00bbSag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 2019 fand im Hochbunker Pallasstra\u00dfe\/Sch\u00f6neberg auf dem Gel\u00e4nde der Sophie-Scholl-Schule eine Ausstellung mit Zeichnungen, Objekten, Fotografien und einer Performance statt. Es waren die Ergebnisse eines Kunstprojekts von Sch\u00fcler*innen der neunten, zehnten und elften Klassenstufe. Der Titel der Ausstellung war: \u00bbZeichnen gegen das Vergessen\u00ab. Unterst\u00fctzt wurde diese Pr\u00e4sentation von dem \u00f6sterreichischen Maler Manfred Bockelmann, der auch anwesend war. Er zeichnet Portr\u00e4ts von in Konzentrationslagern ermordeten Kindern, die von der Nachwelt nicht nur als Nummern registriert werden sollen, sondern als Menschen. Er m\u00f6chte den Opfern \u00bbGesichter\u00ab geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde versuchen, unserer Kollegin Henriette Salomon und unserem Kollegen Max Wohlfahrt ihre Identit\u00e4t wieder zu geben, wenngleich die \u00fcberlieferten Fakten sp\u00e4rlich sind. Ihre Gesichter sind leider nicht bekannt und es ist niemand mehr da, der sie uns zeigen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo ist Henriette Salomon geblieben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Henriette Salomon wurde am 30.06.1889 geboren. Seit dem 01. April 1932 unterrichtete sie die F\u00e4cher Deutsch, Griechisch und im Nebenfach Geschichte an der Staatlichen Augusta-Schule in Berlin-Sch\u00f6neberg. Henriette Salomon wurde zum Ende des Schuljahres 1932\/1933 zu Ostern wegen ihres j\u00fcdischen Glaubens mit Wirkung zum 01. Dezember 1933 nach \u00a7 3 BBG, dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, aus dem Schuldienst entfernt und mit dem Berufsverbot belegt. Sie emigrierte im gleichen Jahr in die Niederlande und wohnte in Amsterdam in der Jakerstra\u00dfe 21. Im Berliner Adressbuch des Jahres 1941 wurde sie dennoch unter \u00bbStudienreferendarin, Schmargendorf, Marienbader Str. 2 T\u2026\u00ab gef\u00fchrt. Warum ist sie in die Niederlande emigriert? Hatte sie dort Freund*innen? Konnte sie sich nicht vorstellen, dass die Nationalsozialisten dieses Land jemals besetzen w\u00fcrden? Im Jahr 1940 hielten sich etwa 30.000 Fl\u00fcchtlinge in den Niederlanden auf. Am 27. Januar 1943 wurde sie in das Konzentrationslager Herzogenbusch (Vught) eingeliefert, am 20. Mai 1943 in das \u00bbPolizeiliche Durchgangslager\u00ab Westerbork. Die Baracken waren \u00fcberf\u00fcllt und schmutzig. Essensger\u00fcche, menschliche Ausd\u00fcnstungen, Stimmengewirr, Gebr\u00fcll und Schreierei machten das Leben unertr\u00e4glich. Von Westerbork fuhren regelm\u00e4\u00dfig Pendelz\u00fcge in das Vernichtungslager Auschwitz. Eine Anfrage an die Gedenkst\u00e4tte des Lagers Westerbork in den Niederlanden vom 11. Dezember 2019 erbrachte noch folgende Information: Sie starb am 09. September 1943 und wurde vier Tage sp\u00e4ter im Krematorium verbrannt. Es ist nicht bekannt, wo ihre Asche oder die Urne beigesetzt sind. Normalerweise wurden die \u00dcberreste an einen j\u00fcdischen Friedhof in der N\u00e4he von Amsterdam \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo ist Max Wohlfahrt geblieben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Max Wohlfahrt war am 21. Mai 1888 in Berlin geboren worden. Er hatte am 8. September 1906 die Reifepr\u00fcfung abgelegt und war nach erfolgreichem Studium seit dem 1. April 1929 Studienrat mit der Lehrbef\u00e4higung f\u00fcr die F\u00e4cher Latein, Griechisch und Geschichte. Seit dem<\/p>\n\n\n\n<p>1. August 1929 unterrichtete auch er an der Staatlichen Augusta-Schule in Berlin-Sch\u00f6neberg. Zum 1. Dezember 1933 wurde er aus \u00bbgesundheitlichen Gr\u00fcnden in den Ruhestand versetzt\u00ab, aber auch hier war die Ursache die Umsetzung des Berufsverbots nach \u00a7 3 BBG, weil er j\u00fcdischen Glaubens war.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. Oktober 1942 wurde er mit vielen Menschen eingepfercht wie Vieh in einem G\u00fcterwaggon des Eisenbahntransports mit der laufenden Nummer 761 deportiert. In der Transportliste des Ost-Transports vom 26.10.1942 wird er als \u00bbohne\u00ab Beruf aufgef\u00fchrt, als \u00bbledig\u00ab und als \u00bbarbeitsf\u00e4hig\u00ab. Seine Wohnadresse war damals laut Liste \u00bbSO 36, Taborstr. 1\u00ab. Im Berliner Adressbuch von 1941 findet sich der Eintrag, dass \u00bbMax Israel Wohlfahrt, Studienrat a.&nbsp;D. am Treptower Park 30\u00ab wohnte. Dort wohnten auch Alice Wohlfahrt, geboren am 23. M\u00e4rz 1887 in Berlin und Ella Wohlfahrt, geb. Saul, geboren am 25. Juli 1891 in Hamburg. Beide Frauen wurden zusammen mit Max Wohlfahrt in demselben Zug deportiert. Der Zug fuhr von Berlin \u00fcber Posen, Warschau, Bialystok, Kaunas nach Riga und erreichte drei Tage sp\u00e4ter sein Ziel am 29. Oktober. \u00bbDas Durchschnittsalter der Deportierten betrug 43 Jahre, darunter befanden sich 55 Kinder in der Altersgruppe bis zu zehn Jahren. Die Teilnehmer dieses \u00bb22. Osttransports\u00ab aus Berlin mit dem Abgangsbahnhof Moabit wurden\u2005\u2026\u2005sofort nach ihrer Ankunft in den W\u00e4ldern bei Riga ums Leben gebracht.\u00ab Im Transport befanden sich mindestens auch 204 Angestellte der J\u00fcdischen Gemeinde zu Berlin, die, unter Androhung von Geiselerschie\u00dfungen mit ihren Familien zur Deportation zu erscheinen hatten. Dem Transport waren zus\u00e4tzlich eine Person aus Cottbus und eine Person aus Neustadt (Dosse) zugeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Gespr\u00e4ch \u00fcber die Todesfuge von Paul Celan \u00bbDer Tod ist ein Meister aus Deutschland\u00ab sprach der Autor Thomas Sparr am 20. April 2020 im rbb-inforadio vom \u00bbgrablosen 20. Jahrhundert\u00ab. Unsere Kollegin Henriette Salomon und unser Kollege Max Wohlfahrt stehen als \u00bbgrablose\u00ab Opfer stellvertretend f\u00fcr alle Opfer des verbrecherischen nationalsozialistischen Regimes. Wir werden sie nicht vergessen und genauso wie an Kurt Aron (<a href=\"https:\/\/www.gew-berlin.de\/aktuelles\/detailseite\/?juHash=fc247b2e1e103ee7ebfbc21cd87cff3443f7ac5c&amp;jumpurl=https%3A%2F%2Fwww.gew-berlin.de%2Findex.php%3FeID%3DdumpFile%26t%3Df%26f%3D91858%26token%3D4953a775e550f95ad8b23d45aa8540f86f36d82c%26sdownload%3D%26n%3Dbbz-12-2019.pdf\">bbz\u202f12\/2019<\/a>) und an Dora Philippson (<a href=\"https:\/\/www.gew-berlin.de\/aktuelles\/detailseite\/?juHash=c7123138ce88aceb494d10e61267c3afd7e12854&amp;jumpurl=https%3A%2F%2Fwww.gew-berlin.de%2Findex.php%3FeID%3DdumpFile%26t%3Df%26f%3D94933%26token%3D7173b987d20e2522e59f358350004f726e4a8152%26sdownload%3D%26n%3Dbbz-03-2020.pdf\">bbz 03\/2020<\/a>) wird an sie an einem von Sch\u00fcler*innen gestalteten Gedenkort erinnert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnerung an j\u00fcdische Kolleginnen und Kollegen Den Opfern ein Gesicht geben 28.07.2020 &#8211; von Bodo F\u00f6rster Es ist an der Zeit, an die zwei verfolgten Kolleg*innen Henriette Salomon und Max Wohlfahrt zu erinnern, ihnen anhand der sp\u00e4rlichen Informationen ein Gesicht zu geben und zu gedenken. 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